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Sonntag, 2. Dezember 2012

C-Orgelprüfung Neuster Stand

Eigentlich will ich es gar nicht so recht zugeben, aber ich musste den C-Kursus abbrechen, denn meine Leistungen waren nicht so gut und es haperte im Praktischen an allen "Ecken und Kanten". Es bestand keine Aussicht darauf, die Prüfung zu bestehen und so habe ich den Kurs vorzeitig abgebrochen im April. Etwa kurz vor Ostern.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich werde versuchen, den Kurs noch einmal zu absolvieren. Doch wann ist die Frage, denn im Augenblick bin ich mit meinem Praktikum beim Malermeister beschäftigt und komme kaum dazu, überhaupt zu Hause zu sein. Der Tag beginnt für mich um 4.30 Uhr und bin abends erst gegen 18.00 Uhr zuhause. Für den C-Kurs brauche ich viel Zeit und Ausdauer und vor Allem muss ich mich selber hinsetzen und lernen. Das fällt mir noch schwer.

Es steht auch noch die nächst kleinere Prüfung aus, die D-Prüfung, die werde ich zuerst mal "richtig" in Angriff nehmen, denn damit bin ich auch schon lange beschäftigt.

l Gut l

Ich werd sehen, was ich mach.

Bis dann,
Spechti

Dienstag, 3. Januar 2012

Der König und sein Prinz- eine Fabel über das Evangelium.

Im Grunde ist dies eine Auslegung in Geschichtsform von Joh. 3,16


Es war einmal König Fabian, der nur einen einzigen Sohn hatte. Und der König regierte ein friedliches Land, in dem es aber viele Verhaltensregeln für den Alltag gab. So durfte an Montagen nur bestimmte Arbeiten verrichtet werden, es gab streng festgelegte Wach- und Ruhezeiten. Die Zeiten, zu denen gegessen wurde waren festgelegt und für jeden Tag gab es eine bestimmte Anzahl von Schritten, die eingehalten werden mussten. Es gab strenge Reinheitsgebote, wenn man den König besuchen wollte: Bevor man in den Thronsaal konnte, musste man sich in einem Waschzuber vor dem Eingang gründlich den ganzen Körper waschen. Wer gegen diese Gebote verstieß, begann ein Vergehen, welches einem Aufseher berichtet werden musste. Und so gab es noch viel mehr dieser Gebote.
Viele Menschen waren traurig über diese Regeln und sie waren ihnen eine große Last. Die Strafen bei einem Vergehen waren nicht schlimm, aber lästig: Es wuchsen einem braune Punkte, die sich nicht wieder ablösen ließen. Sie wuchsen auch, wenn man sich sonst moralisch falsch benommen hatte. Auf diese Weise hatte das Volk schwere Lasten zu tragen.

Das Reich des Königs war ringsherum umgeben von einem viel schlimmeren Land. Dort lebten Geschöpfe, die ich nicht als Menschen bezeichnen würde. Sie sahen aus wie Stiere mit 6 Augen, über jedem gab es ein großes Horn und sie hatten vier Beine mit Pferdehufen. Ihre Körper besaßen häufig viele Narben und alle waren grau. Sie waren böse und arglistig untereinander, was einigen aus dem Reich des Königs Fabian gefiel. Deswegen wechselten viele in das andere Land und kamen dabei um. In dem schlimmeren Land gab es keinen König, darum gab es dort keine Ordnung und kein System, doch alle waren gegeneinander. Nur in einem waren sie sich einig: Sie wollten das Land, welches bei Ihnen in der Mitte lag einnehmen und taten alles dafür.

Es gab darum häufig Gefechte zwischen dem rechtslosen Land und dem inneren Land. Und jeder der im Kampf gegen einen Bösen unterlag, der starb nicht etwa, sondern er wurde nur böse. Diese Aggression war ansteckend und übertrug sich bald auf viele von dem Reich von Kaiser Fabian.

Kaiser Fabian sah, dass die Bösen Überhand nahmen und sich immer wieder neue Kampfstrategien einfallen ließen. Darum fasste er einen Entschluss, der ihm sehr schwer gefallen ist und traf sich an einem bestimmten Ort mit den Bösen. Dort vereinbarte er, dass er ihnen seinen Sohn übergeben wird und sie ihn töten können und die Bösen nun sein Volk in Ruhe ließen. Der König verzichtete auf seinen Thronnachfolger! Das war für die Bürger des friedlichen Landes etwas unvorstellbares. Aber der König Fabian ließ nicht mit sich reden. Er ließ seinen Sohn von den bösen Feinden umbringen. Die Bösen nutzten die Chance und quälten den Prinzen bestialisch zugrunde. Sie schlugen ihn, sie traten ihn, vergaben ihm Gift und folterten ihn. Sie feierten seine Unterlegenheit und freuten sich an seinen Schmerzen.

Nachdem der Prinz das letzte mal geatmet hatte, entwich von ihm eine unvorstellbar große Wolke, die sich in windeseile über das Land von König Fabian verteilte. 3 Tage lag das Land im Nebel und die Einwohner waren starr in ihrer letzten Bewegung stehen geblieben. Niemand rührte sich mehr. Als die drei Tage vergangen waren, kam der Prinz lebend wieder. Da fielen die Menschen vor ihren Häusern nieder, weil sie ihn für seine Auferstehung priesen und lobten. Das kleine Land war jetzt mächtiger und stärker geworden gegen die Bösen, weil sich der Sohn für die Interessen seines Landes  mit seinem Tod eingesetzt hatte. Die Wolke, welche nach dem Tod des Prinzen von ihm entwich, schien eine Art neues Lebensgefühl in den Einwohnern zu erzeugen. Alle bekannten jetzt freimütig ihre Verfehlungen, weil sie die Größe des Königs und des Prinzen spürten. Die braunen Punkte lösten sich ganz leicht von ihren Körpern und sie fühlten sich alle sehr erleichtert. Nun ordnete der König an, alle quälenden Gebote für den Alltag aufzuheben und das Volk betete den Prinzen und den König an. Die Menschen vergaben sich gegenseitig ihre Verfehlungen, weil nun einer dafür aufgekommen ist. Die Bösen waren besiegt, denn sie hatten keine Möglichkeit mehr in das Land zu kommen: Die Wolke, welche der Prinz ausgeblasen hatte, verschloss die Grenzen zu den Bösen auf unüberwindbare Weise. Der Prinz belohnte jeden reich mit seiner Liebe, wenn jemand seine Sünden bekannte. Von nun an lebten die Menschen in Frieden miteinander für immer und ewig.

Joh 3,16: "Darum liebte Gott die Welt so sehr, weil er seinen einzigen Sohn gab. Denn alle, die an ihn glauben werden nicht verloren werden, sondern haben das ewige Leben"

Dienstag, 8. November 2011

Erste Prüfungen für den C-Orgel-Schein

Der C-Kurs nähert sich dem Ende. Im Juni 2012 lege ich die letzten Prüfungen ab. Kürzlich war in Hildesheim der zentrale C-Kursus und ich habe die ersten Prüfungen für Hymnologie (Liederkunde), Evangelische Liturgik, eine Singprobe und eine kleine Theologieprüfung abgelegt. Für die ersten beiden Fächer kenne ich die Ergebnisse nicht, die beiden letzten habe ich definitiv bestanden.

Eigentlich wollte ich Chorleitung und Orgelprüfung machen, aber ich bemerkte, dass ich nicht so gut singen und dirigieren kann. Ich überlege es mir noch einmal, denn für das Fach Chorleitung braucht man schon etwas mehr Erfahrung und Können. Ob nun ja oder nein- eine Prüfung für das Fach Chorleitung habe ich in Hildesheim ebenfalls abgelegt: "Chorliteraturkunde". Das Ergebnis steht auch noch aus.

Ich war neun Tage in Hildesheim, wo es von morgens bis abends Unterricht gab und wir haben übehalber viel gesungen und musiziert. Ich hatte die Gelegenheit, einmal die Orgel in der Michaeliskirche auszuprobieren, dabei zog ich alle Register und stellte fest, dass eine Orgel lauter als ein vorbeifahrender D-Zug sein kann. Aber das macht ja auch Spaß!

Im Sommer bin ich der Evangelischen Kirche beigetreten. Das ist einmal von Vorteil für eine Stelle als Kirchenmusiker, aber ich bin den evangelischen Grundsätzen von Luther in jedem Fall einverstanden. Daneben gibt es trotzdem ein paar Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin, wie z. B. Thema Abtreibung. Glücklicher Weise kann ich mein Leben so gestalten, wie ich es als Christ für richtig erachte.

Dienstag, 13. September 2011

Bibelauslegung zur Jahreslosung 2012

Die Jahreslosung 2012 lautet: "Meine Kraft ist im Schwachen mächtig" (2. Korinther 12,9).

Ich mache mir gerade viele Gedanken, wie es mit mir und meiner Frau beruflich weiter geht. Meine Frau ist in Mutterschaft und kann die nächsten 1-2 Jahre nicht arbeiten und ich weiß beruflich immer noch nicht, wie es weitergeht. Es ist frustrierend! Ich habe nicht das Ziel, Hartz IV zu bekommen, aber es lässt sich wohl nicht umgehen. Für mich ist Hartz IV stark mit Vorurteilen belastet wie Faulheit, von morgens bis abends fernsehen, Chips und Alkohol und eben zur bemitleideten "Unterschicht" zu gehören. Das lastet mir an wie ein Stygmata. Ich zähle mich nicht zu den oben genannten Menschen und hoffe, das wird mit mir auch nicht in Verbindung gebracht.

Bei diesen Gedanken kam mir die oben genannte Jahreslosung in den Sinn. Doch bei näherem Hinschauen sollte diese Jahreslosung nicht als geistliches Trostpflaster missbraucht werden. Nehmen wir Paulus mit seinen Worten ernst, müssen wir uns mit dem näheren Bibeltext beschäftigen.

Trostpflaster haben die Eigenschaft, Leid und Kummer abzumildern. Nimmt man die Trostpflaster ab, ist alles beim Alten- fällt mir dazu spontan ein.

Die Jahreslosung bedarf einer Auslegung, um sie recht zu begreifen.
Ich habe mich gefragt: "Wozu wird denn nun der Schwache mächtig sein?".
Weitere Frage: "Wozu war Paulus mächtig?"

Paulus hat ein Problem mit Angeberei und Prahlerei. Das schildert er eindrücklich in seinem 2. Brief an die Korinter, aber er hat in diesem Brief eine Ausnahme gemacht und einmal sein wirklich schlimmes Leid geklagt. Er ist drei mal mit 39 Schlägen verprügelt worden, wurde ausgepeitscht, er wurde gesteinigt und musste sich in letzter Minute vom Schiff retten. Paulus schreibt sogar, dass er sich in Lebensgefahr befand und er hungerte und fror und er berichtet noch so einiges mehr. Wegen seiner christlichen Überzeugung, welche damals weder aktuell noch bekannt war und schon gar nicht anerkannt war, musste er sich viele Drangsalierungen von Juden und Heiden gefallen lassen. Paulus wusste genau, was Christenverfolgung bedeutete. Zum Schluss von seinen Ausführungen berichtet Paulus noch vom "Dorn im Fleisch"- keiner weiß was das heute bedeuten soll- nach seinen Angaben hat ihn das stark geschwächt. Er hätte mit Gott gebetet, damit er von dem Dorn und seinen Drangsalierungen befreit wird. Aber Gott hat ihm nach dreimaligem Beten gesagt: "Meine Gnade ist alles was du brauchst. Meine Kraft ist im Schwachen mächtig". Punkt! Aus!

Also ich mein, was ist das für ein Gott? Paulus geht es wirklich schlecht! Er ist nach all den Reisen und Schmerzen körperlich so geschwächt, dass er vermutlich Schwierigkeiten gehabt hatte, den Kugelschreiber ruhig in der Hand zu halten und Gott sagt ihm nur das Wenige?

Wenn ich das richtig sehe, hätte Paulus jetzt mal ein 3-Gänge-Menü vom Spitzenkoch verdient, eine Woche ausschlafen und ein Bundesverdienstkreuz!

Mitnichten!

Gott hat nur das Bisschen gesagt.

Gnade bedeutet, dass wir für unsere Fehler, Sünden und Schwächen nicht aufkommen müssen. Durch Jesu Tod am Kreuz sind wir rein. Aus den anderen Briefen von Paulus geht hervor, dass er sich sehr wohl bewusst war, ein sündiger Mensch zu sein. Darum hat Gott ihm das sicherlich auch gesagt. Ein Theologe aus dem 19. Jahrhundert, Charles Spurgeon, sagte mal diesen bemerkenswerten Satz: "Nebst der Gnade ist Sauerstoff das Wichtigste". Als Protestant hat er das bemerkenswert klar ausgedrückt, wie lebensnotwendig Gnade und damit Erlösung von den Sünden ist. Nur mit einem reinen Herzen kommt man in den Himmel. Das war ja wohl schon immer klar.

Dann kommen wir zur eigentlichen Jahreslosung:"Meine Kraft wird im Schwachen mächtig sein". Paulus war vor Allem körperlich schwach. Im Glauben hat es ihn wohl eher nicht an Kraft gefehlt. Er muss so gebeutelt gewesen sein, dass er sich dachte, "so kann es nicht mehr weiter gehen". Und dazu sagt Gott eben, mit dir körperlich Schwachen, habe ich Großes vor. Und wenn Gott von seiner Kraft spricht, meint er als erstes sein Evangelium. Er meint nicht Geld und Gut, nicht Macht und Beherrschung, sondern Dienerschaft für Christus.

Paulus Aufgabe war es, durch die Welt zu reisen und die gute Botschaft, von der Erlösung vom Kreuz, zu sprechen und zu predigen. Es ging nicht darum, viel Geld zu verdienen und den größten und schnellsten Esel zu besitzen.

Und um kurz auf mein Hartz IV Problem zurück zu kommen:
Paulus erlitt viele Entbehrungen und Drangsalierungen. Er kam mit dem Geringsten aus, um am Leben zu bleiben.

- Liebe
- Ein Dach über dem Kopf- allerdings nur dort, wo es mal kalt wird und sich wilde Tiere aufhalten.
- Etwas zu Essen und zu Trinken
- Luft zum Atmen
 
Mit Hartz IV ist das gegeben und ich könnte auch lernen, asketisch zu leben! Letzteres nur als Witz nebenbei.

Ich komme nun auf die Verkündigung des Evangeliums in heutiger Zeit zurück: Heute sind es die Kirchen, welche das Evangelium verkünden. Als Vertretungsorganist komme ich ein bisschen herum und höre darum auch so einige Predigten in der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Und ich bin manches mal traurig, was gepredigt wird. Ich will das jetzt nicht bis ins Detail berichten. Nur so viel: Eine gute Predigt höre ich selten. Die Pastoren machen sich Sorgen über leer werdende Kirchen und richten sich auf Sparmaßnahmen ein. Sie legen wert auf eine geordnete Liturgie, welche einiges an Konzentration abverlangt und sagen ihren Zuhörern, sie sollen nicht alles weg schmeißen, was noch halbwegs brauchbar ist. Ein Pastor hielt "weltliche Zentren" wie Fussballstadien für teuflisch (Anmerkung: Jesus ist da hin gegangen, wo die Menschen waren und er sie bei den täglichen Dingen angetroffen hat. Er war MITTEN unter ihnen). Wenn das Predigtinhalte sind, ist es kein Wunder, dass der Altersdurchschnitt am Sonntag Morgen bei 65 Jahren liegt. So sieht eine sterbende Kirche aus. Drohbotschaften und Zeigefinger verjagt junge Menschen.

Ich finde es manches mal so traurig, was gepredigt wird. Warum konzentrieren sich die Pastoren sich nicht mehr auf das Evangelium, auf frei machende Predigten?

Das Wort vom Kreuz hat Gewicht und ist lebensverändernd, ist heilsam, ist tröstend, ist aufbauend, gesundheitsförderlich, ist ermutigend, ist freiheitlich, ist apostolisch, usw. Es wird Zeit, zu den Ursprüngen der Urchristen zurück zu kommen. Da halte ich manche Freikirche für lebendiger -auch wenn dort nicht immer alles recht biblisch ist- und vor Allem für fröhlicher.


Jesus starb für unsere Sünden. Wenn ich mir das vor Augen halte, kann ich nicht mehr traurig sein. Jedenfalls freue ich mich darüber, wie jemand der eine fette Beute gefangen hat. Allein darum gibt es keinen Grund, dauernd traurig in der Kirchenbank zu sitzen.
Ein ausgefallenes Beispiel an ausgeprägt Schwachen sind die Jesus Freaks (eine christliche Gemeinde auf der Hamburger Schanze): Es sindmanche unter ihnen aus schwierigen Lebensbedingungen, manche sicherlich sogar mit Suchthintergrund. Aber sie haben das Evangelium mit einem Funken abbekommen und sind für Jesus explodiert. Sie haben ihre Drogen gelassen und reden, wann immer man sie trifft, von ihrer Errettung und dass sie zu Jesus gehören. Einen kenne ich persönlich, ein trockener Alkoholiker, er wurde als Jugendlicher kriminell, lebte als Punk auf der Straße- in Polen wie in England, heute in Deutschland. Seit seiner Bekehrung gibt es kaum etwas anderes in seinem Leben als diesen einen Messias. Mancher würde behaupten, sie sind nicht ganz dicht im Kopf- so wie es Paulus auch von sich sagte- aber für sie dreht es sich nur noch um Christus. Sie haben die rettende Botschaft verstanden. Meistens leben sie nach ihrer Bekehrung noch immer in prekären Verhältnissen und sind gebeutelt vom Leben. Und für diese jungen, überaus eifrigen Missionare gilt: "Meine Kraft ist im Schwachen mächtig"! Weil sie auf ihre Weise allen vom Evangelium erzählen. Sie beten auf der Straße und schwallen die Fahrgäste in der S-Bahn von Jesus zu. Sie sind stark, um das Evangelium zu erzählen und wissen von Wundern zu berichten. Für mich sind das am Ehesten Apostel.

Diese Kraft ist in Menschen mächtig, denen man es nicht ansieht und nicht zutraut. Jene erzählen das Evangelium so klar und prägnant, obwohl sie gesellschaftlich Außenseiter sind und sonst nichts zu sagen haben. Sie haben sonst keine Anerkennung, sind das, was manche von uns lieber nicht am Wohnzimmertisch sitzen haben wollen, wären total unbedeutend, wenn sie nicht den ganzen Tag von ihrem Jesus reden würden. Es sind Ex-Junkies, Ex-Raucher, Ex- Spieler usw, psychisch Kranke, Ex-Bankräuber, Ex-Erpresser und Ladendiebe. Manche stinken und sind unrasiert. Sie stören und sind irgendwie extrem. Also richtig schräge Typen! Aber sie sind Apostel, weil Jesu Kraft im Schwachen mächtig ist.

In meinen Augen sind die vielen historischen Kirchen und Gebäude wertlos, wenn die freimachende Botschaft, welche in ihnen gepredigt werden soll, keine Zündfunken auslöst. Alte Gebäude und Kirchen, große, wertvolle Orgeln, Altäre, Statuen, Bilder, Särge und Heiligengebeine sind so dermaßen nutzlos. Keines dieser Gegenstände macht fromm, heilig oder hilft mir, in den Himmel zu kommen. Das Wort der Bibel muss in  Kraft gepredigt werden und  die eigentlichen Aussagen der Bibel müssen zur Sprache kommen, die Predigt soll ins Leben der Zuhörer sprechen und hilfreich sein.

Sonntag, 26. Juni 2011

Wo finde ich Glück?

Als ich neuapostolisch war, wurde mir immer erzählt, "wahre Freude hat man nur im Hause des Herrn". Das war Regel, das war Gesetz. Es war im Grunde verboten, den Amtsträgern zu widersprechen, sonst würde man die göttliche Autorität in Frage stellen. Denn die Amtsträger gelten als von Gott berufen und sprechen das Wort Gottes durch den Heiligen Geist. Dass sie Laienprediger ohne jegliche theologische Ausbildung sind, war gar nicht entscheidend. Was vom "Altar Gottes" gepredigt wurde, war unumstößlich wahr. Dies ist eines der Kennzeichen des neuapostolischen totalitären Systems. Erst als ich mich gedanklich von dieser Lehre distanzierte, merkte ich, dass ich sehr wohl außerhalb der Kirchenmauern das Leben genießen kann. Ich bekam ganz neue Lebensfreude, an der Alster oder an der Elbe in Hamburg zu stehen und einfach nur zu genießen. Und zwar mit allen Sinnen: Die vielen Farben an der Elbe sehen, die Wellen rauschen hören, und den Duft von Hafen, Feuer und Elbwasser wahrzunehmen und wie der Wind um die Nase weht zu spüren. Das wäre z. B. für mich ein glücklicher Moment.

Das große Glück ist nicht nur dann, wenn wir Inhaber von elektronischen Geräten im Wohnzimmer sind, wenn wir ein großes Auto fahren oder uns eine Kreuzfahrt rund um den Globus gönnen können. Vielmehr zählt der Moment im Jetzt, in der Gegenwart, den wir genießen können und als Glück empfinden können. Da hat jeder seine Vorlieben: Es kann sein, dass wir gerne so wie ich mit dem Fotoapparat die Welt erkunden und tolle Bilder festhalten, es kann sein, dass wir uns gerne Musik anhören, Bilder ansehen, Wein und Zigarre brauchen, oder einfach mit den Gedanken vor uns hin träumen. Jeder hat seine Weise, die er heraus finden muss. Seinen Mann/ seine Frau zu küssen soll nicht unerwähnt bleiben!

Den Augeblick zu genießen, scheint ein Geheimnis zu sein. Manche leben in der ständigen Erinnerung an "Gute Zeiten", manche leben in der Zukunft "wenn ich erst einen großen Lottogewinn hätte, wäre ich viel Glücklicher." Aber beides macht auf Dauer unglücklich. Das Hier und Jetzt ist entscheidend, selbst wenn wir allen Grund hätten uns Sorgen zu machen oder Nöte haben. Es ist möglich, auch mit wenigen Mitteln glücklich zu sein. Es stellt sich nur die Frage, aus welcher (un)-glücklichen Perspektive ich meine Situation sehe.

Dazu stelle ich noch kurz ein Buch vor: "Glück ist jetzt" von Klaus Douglass mit etwa den beschriebenen Gedankengängen. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich das Buch bei uns  bestellen würden:

Alpha Buchhandlung Krelingen

Mit freundlichen Grüßen

-Der Genießer- :-)

Samstag, 23. April 2011

Orgelaufnahmen mit mir

Ich dachte, ich mache ein paar Aufnahmen von mir. Sie sind jetzt auf Youtube verfügbar. Schaut gerne mal rein. Es sind Aufnahmen von Rheinberger; diese Stücke wurden bisher noch nicht auf Youtube veröffentlicht.

Viel Spaß!

http://www.youtube.com/user/Nerodereineinhalbte?feature=mhum

Freitag, 21. Januar 2011

Bericht vom Orgelkonzert

Wie gesagt, war es ein kleines Orgelkonzert. Die Stücke waren zum Einen nicht so bekannt und für einen Kirchenmusiker mit einer großen Prüfung (A oder B), wäre das wahrscheinlich eine eher kleine Aufgabe gewesen. Allerdings hatten die Stücke von Rheinberger schon einen hohen Anspruch, da die Tonarten schwierig sind und sich viele Auflösungen und Doppel B's- und Kreuze in den Stücken befinden. Es kommt hinzu, dass die linke Hand häufig Töne von der rechten Hand übernommen hat.

Das große D-Dur Präludium von Bach hat einen recht virtuosen Eingang, was dem Stück etwas mehr Anspruch verleiht. Auch sind hier verschiedene Registrierungen zu beachten. Da der Eingangsteil abrupt endet, welches anders gespielt werden muss, ist es wichtig, schnell einige Register wieder rein zu drücken. Nun habe ich nur das Präludium gespielt, die "Kür" wäre noch gewesen, die dazugehörende Fuge vorzutragen, welche besonders lang und schwierig ist. Ich habe mich da noch nicht ganz heran getraut.

Alles in Allem war es schon ein Erfolg, da ich wenig Lampenfieber hatte und ich 10 sehr dankbare Zuhörer hatte.Es war nun mal nur ein "kleines" Orgelkonzert gewesen. Für mich war es allerdings ein Meilenstein, da ich noch nie eine Stunde lang ein Konzert gehalten habe. Das ist etwas anderes, als wenn man nur für sich selbst spielt.

Für die Zuhörer war es gewisser Maßen auch eine Herausforderung, weil sie eine Stunde lang in der Kälte saßen, denn der Dom ist um diese Zeit nicht geheizt. Es kam hinzu, dass viele Register auch noch verstimmt waren und die Orgel nur zum Teil funktionstüchtig war. Viele Zungenregister konnte ich gar nicht benutzen, weil sie einfach viel verdorben hätten. Ich war aber froh, dass keine Taste hängen geblieben ist, so dass sie ohne sie zu bespielen, weiter gespielt hätte. Während des Übens auf der Domorgel blieb mir immer eine Taste hängen, was natürlich sehr beim Spielen stört. Da die Temperaturen zum Konzert etwas in die Plusgrade angestiegen sind, hatte ich keine Schwierigkeiten mit verzogenem Holz, welches eine bestimmte Taste im Pedal ständig hängen ließ. Starke Schwankungen der Temperatur und der Luftfeuchte macht Orgeln generell zu schaffen und Kälte lässt sie natürlich überall verziehen und darum verstimmen. Es ist leider ganz gewöhnlich, dass Orgeln im Winter nicht voll funktionstüchtig sind. Dafür werden sie zum Frühjahr (hoffentlich) wieder gewartet und gestimmt.

Zum Glück gab es um die Ecke noch eine Kneipe, wo sich alle am Latte Macciato aufgewärmt haben. Nur ich hatte es während des Konzertes warm, weil ein Holzkäfig um den Spieltisch gebaut worden ist, der mit einem Heizlüfter ausgestattet ist. So etwas ist vernünftig, da man mit eingefrorenen Fingern keine 32stel und 64stel spielen kann.

Samstag, 25. Dezember 2010

Ich mach ein Orgelkonzert


Herzliche Einladung zum


„kleinen Orgelkonzert“


mit mir im evangelischen Verdener Dom am Montag, 17.01.2011 um 18.00 Uhr


an der Domorgel

Programm:

1. Präludium C Dur von J.S. Bach (1685-1750), aus „8 kleine Präludien und Fugen“

2. Gloria Patri in Kirchentonart mit eigener Harmonisierung
3. Choral „Lobe den Herrn den mächtigen König“ (Nr 316), 2 Strophen, wer möchte kann mitsingen

4. Gloria Patri in moderner, eigener Harmonisierung


Das Gloria steht am Beginn eines Gottesdienstes- darum jetzt auch am Anfang-zur Ehre Gottes.
5. Präludium F Dur von J.S. Bach (1685-1750), aus „8 kleine Präludien und Fugen“

6. Fughetta d-moll von Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901) aus Op 123b, aus „12 Fughetten strengen Stils“ Nr 1 „Con moto“

7. Choralvorspiel „Eins ist Not ach Herr dies Eine“ von Max Reger (1873-1916) Op 135a

8. Choral „Wenn Friede mit Gott“

9. Finale aus der 6. Orgelsonate in D-Dur von Felix-Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

10. Choral „Jesus soll die Losung sein“ (Nr 62) 2 Strophen, wer mag, kann mitsingen

11. Fughetta Fis-Dur von Joseph Gabriel Rheinberger, aus Op 123b, Nr 2 “Andantino“
12. Choralvorspiel „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Max Reger, Op 135a

13. Pedalsolo von J.S. Bach („Exercitium“)

14. Fughetta es-Moll von Josph G. Rheinberger, aus Op 123b, Nr 5 „Andante"

15. Choralvorspiel „Vater unser im Himmelreich“, Johann-Sebastian Bach

16. Präludium D-Dur, Johann-Sebastian Bach, BWV 532

17. Von guten Mächten still umgeben (EG Nr 65)- wer möchte, kann mitsingen

Der Eintritt ist frei.

Freitag, 17. Dezember 2010

Für Interessierte: Das übe ich gerade auf der Orgel

Wer Lust hat, kann mal in ein Stück reinhören, welches ich gerade versuche einzuüben. Da mir die Sechzehntel und Achtel in dem Stück im Zusammenwirken mit dem Pedal etwas Mühe machen, brauchts gerade etwas länger.

Hier das Stück, aber nicht von mir gespielt, da ich keine Möglichkeiten habe, die Töne von der Orgel vernünftig aufzunehmen. Wozu gibt es Youtube?


F. Mendelssohn-Bartholdy: 2. Sonate c-moll 3. Allegro maestoso e vivace

An dem Stück bin ich schon sehr lange dran:

J.S. Bach: Prelude & Fugue in D major BWV 532 (K. Richter)

Viele Grüße!

Dienstag, 12. Oktober 2010

C-Orgelkursus (editiert)

Am 22.9 begann mein Orgelseminar. Wir treffen uns jeweils Mittwochs um 16.00. Zuerst bekomme ich eine halbe Stunde "persönlichen" Gesangsunterricht, da ich auch noch Fach Chorleitung belege. Das ist recht spannend, da ich glaube, nicht richtig singen zu können. Um also meine Resonanzkörper auszunutzen, lerne ich richtiges singen. So klingen die ersten Versuche- trotz jahrelanger Chorerfahrung- eher nach Brunftlauten heimischer Waldbewohner. Aber das wird sich mit der Zeit hoffentlich geben.

Ich singe jetzt in meiner Freizeit aus lauter Kehle: a-e-i-o-u. Erst mit Finger zwischen den Schneidezähnen(behelfshalber lieber einen Sektkorken), dann mit "Zähne zusammen" und dann mit weit geöffneten Mund. Das trainiert die Zunge darauf, die Vokale richtig zu bilden.


Nach dem Gesangsunterricht folgt über 2,5 h geballte Theorie. Es begann alles mit der Gregorianik und den mittelalterlichen Kirchentonarten und sind derzeit dabei, den Quintenzirkel auswendig zu lernen und die Tonarten rauf - und runter zu transponieren.

Der Orgelseminar dauert 2 Jahre mit abschließender Prüfung und dann kann ich mich erst "nebenberuflicher Kirchenmusiker" nennen. Voraussichtlich wird die Orgel- und Chorleitungsprüfung im Sommer 2012 sein.

Mein Stück "Ich ruf zu dir Herr Jesu Christ" von Bach ist natürlich längst eingeübt und ich übe jetzt an einem sehr lauten Stück von Mendelssohn bei meinem Lehrer in der nächsten Stadt.

Für Interressierte noch ein paar Registrierungstipps für "Ich ruf zu dir Herr Jesu Christ":

Da es ein sehr ruhiges Stück ist, müssen eher leise Register genommen werden. Am Besten, man spielt die Melodie auf einem anderen Manual, sofern man die Möglichkeit dazu hat. Im Cantus Firmus sollte man etwas hervorstechendere Register nehmen, wobei sich z. B. gut ein Zungenregister lohnt.

Hier ein paar Möglichkeiten von meinem Lehrer:

Solo: Prinzipal 8'
Begleitung: Flöte 8'
Pedal: 16' u. 8' (z. B. Subbaß und Prinzipal)

oder:

Solo Flöte 8' und 4'
Begleitung: 8'
Pedal: 16' u. 8' wie oben

oder:

Solo: Krummhorn 8'
Begleitung: Flöte 8'
Pedal: wie oben

oder:
Solo: Flöte 8' + Flöte 22/3 (Nasat, je nach Orgel)
Begleitung: Flöte 8'
Pedal ""

Oder
Solo: Prinzipal 8' und Quintatön 4' (oder was gerade zur Verfügung steht) und Gedackt 4'
Begeleitung: Rohrflöte 8', Flöte 4'
Pedal: ""

(eigener Vorschlag)

Donnerstag, 29. Juli 2010

Organistenfahrt nach Lüneburg

Gestern war es soweit: Ich fuhr mit einigen Kollegen aus dem Kirchenkreis nach Lüneburg, darunter auch unser Kreiskantor. Wir besichtigten die großen Orgeln in der Nicolaikirche und in der Johanniskirche.

So eine Organistenfahrt ist so etwas wie feinste Tiramisu nach dem Mittagessen. Das macht so viel Spaß mit mehreren Leuten die Orgeln zu sehen und auszuprobieren. Man kann dabei neues kennen lernen und kann sich austauschen, bzw. fachsimpeln und das Ausprobieren der Orgeln ist für einen orgelinfizierten oft der Höhepunkt.

In der Nikolaikirche trafen wir eine Orgel aus der Zeitepoche der Romantik (1800-1950), welche von Furtwängler und Hammer erbaut wurde. Die dreimanualige Orgel entstand in ihren wesentlichen Teilen 1899 und besteht aus einer pneumatischen Traktur. Zum Spielen muss ich mich erst darauf eingewöhnen, denn ich bin das Traktieren nur auf einer Mechanischen Traktur gewohnt. Es gab verschiede Koppel, die mir erst mal bekannt waren. Daneben gab es einen Melodiekoppel, d.h. einen Oktavkoppel der obersten Stimme und andere Koppel. So kann z. B. bei einem Choral die Melodiestimme verstärkt werden. Die Orgel hat zwei Schweller, eine als Walze gedacht und ein "normales Schwellwerk". Heute dürfte die Orgel besser klingen als zu dem Zeitpunkt ihrer ersten Erstellung. Das lag an der trägen Pneumatik und an einer schwachen Windanlage. Die Orgel wurde mehrfach verbessert und verbaut. 2002 wurde sie auf die ursprünglichen Register zurückgeführt, damit sie wieder eine "echte romantische" Orgel ist



Die Orgel hat "vorprogrammierte" Registerzüge wie "Pianissimo", "Piano", "Mezzoforte", "Forte" und "Fortissimo", "Tutti", "Pedal Piano" und "Pedal mezzoforte". Das ist zum Spielen sehr angenehm, denn die Werke der Künstler aus der Romantik wechseln häufig zwischen laut und leise. Dann kann man als Spieler nicht immer so viele Register raus und rein ziehen, da sonst im Musikstück große Pausen entstehen würden.

Pneumatische Orgeln haben oft den Nachteil, dass die Töne beim Spielen verzögert erklingen. Da gibt es Orgeln, auf denen man keinen vernünftigen Triller zustande bekommt, weil man dann einfach nur zwei Töne gleichzeitig hört. Auf dieser Orgel war das aber kaum zu merken. Ihr großer Vorteil ist aber, dass man gegenüber mechanischen Trakturen nicht so stark in die Tasten hauen muss, wenn alle Koppeln eingeschaltet sind. Das kommt den großen Orgeln sehr entgegen, da die große Anzahl der Register das Spielen erschweren würde.

Die Orgel verfügt über 48 Stimmen, von denen viele Zungen, weiche Flöten und zarte Streicher auf den Manualen verteilt sind. Es gibt an dieser Orgel nur einige wenige Prinzipale, was typisch ist für Orgeln der Romantik. Es gibt im ersten Manual einen Prinzipal '16, Oktave '4, Oktave '2, im zweiten Manual einen Prinzipal '4 und im dritten Manual keinen. Eine Barocke Orgel hätte wenigstens einen Prinzipal '8, der für diese Zeitepoche sehr wichtig ist. Darum lassen sich barocke Stücke auf dieser Orgel eher nicht spielen, was ich nicht so gut gelungen finde. An den vorhandenen Prinzipalen fällt ein sehr weicher Klang auf, der sehr "flötig" klingt.

Im Pedal findet sich sogar ein Prinzipalbaß '32, der sehr laut ist. Mich wundert, dass es im Pedal nur ein einziges Zungenregister gibt: Posaune '16. Aber ich denke, man hat bei den großen Werken ohnehin die Koppeln eingeschaltet, so dass man einige Zungen aus den Manualen hören kann.

Die Orgel steht auf einer Empore etwas abseits vom Kirchenschiff. Da das Hauptschiff schmal und lang ist, gibt es von der Orgel nur dumpf etwas im Gemeinderaum zu hören. Das liegt nun an der historischen Kirche, was man nicht ändern kann.

Die Orgel hat viel Spaß gemacht. Ich habe zum Probieren einen Choral (Wenn Friede mit Gott, 19 Jh) auf dem dritten Manual gespielt, was sich nur wie "gehaucht" anhörte. Ich fand das klasse!

Als zweites ein Werk von Rheinberger. Das habe ich sehr fett registriert und das Stück wirkte durch die Orgel auch sehr wuchtig.

Insgesamt imponiert die Orgel durch die vielen Streicher und Zungen auf den Manualen. Das trifft man nicht an jeder Orgel an und sie war wirklich am heutigen Tag ein Leckerbissen.


In der selben Kirche nahmen wir auch an einer Kirchenführung teil. Es war ganz interessant, denn dort gibt es auch die älteste Stadtansicht der Welt zu sehen. Sie entstand im 15 Jh. und steht im Altarbereich, wo eine Begebenheit mit dem Heiligen St. Andreas abgebildet ist und im Hintergrund die Stadtansicht von Lüneburg zeigt.


Nun gingen wir in die zweite Kirche, die Johanniskirche und sie besitzt zwei Orgeln. Das kommt mittlerweile öfter in großen Kirchen vor. Die erste wurde im 16. Jh. das erste mal erbaut und die zweite ist ganz neu aus diesem Jahr. Die erste Orgel sieht natürlich so aus, wie man sich Orgeln vorstellt, die moderne Orgel besticht durch ihren würfelartigen Aufbau und ist insgesamt ohne auffällige Verzierungen und steht hinter dem Altar auf einer Empore.

Als erstes hörten wir ein halbstündiges Konzert auf der alten Orgel. Später hat es mich sehr gewundert, dass der Organist auf dieser Orgel gespielt hat, obwohl er auf der anderen Seite der Kirche eine Orgel hat, die einer französischen Cavalle-Coll Orgel sehr ähnelt.

Wir hörten also auf der Orgel aus dem 16. Jh. (Barockzeit) Werke von Mendelssohn und C. Franck Choral E moll (Romantik).

Nach dem Konzert besuchten wir die Orgel aus dem 16. Jahrhundert von Niehoff und Johannsen. Auch hier wurde seit ihrer Entstehung viel gearbeitet, aber es sind im Oberwerk noch originale Pfeifen vorhanden. Das Orgelwerk besteht aus dem Rückpositiv (1. Manual), dem Hauptwerk (2. Manual=Klaviatur), dem Oberwerk (drittes Manual) und dem Pedalwerk. Letzteres sind seitliche Pfeifentürme. Es gibt 5 Koppeln mit 51 Registern. Eine große Orgel, die besonders basslastig ist. Allein im Pedal sind 15 Register, die einen bombastischen Klang haben. Daneben ist ein Radialpedal vorhanden, d.h. die Pedalen stehen nicht im 90° Winkel zur Orgel, sondern verlaufen sternförmig von der Orgelbank. Das macht das Spielen beim ersten mal etwas gewöhnungsbedürftig.

Es ist eine typische Barockorgel, sogar schon mit Pneumatischen Werk. Damit genügt sie heutigen Ansprüchen, denn das starke Drücken der Tasten würde die Finger beim schnellen Spiel verkrampfen, oder gar unmöglich machen.

Auf dieser Orgel lohnt es sich, typische Stücke aus der Barockzeit von den alten Meistern zu spielen, wie z. B. Buxtehude, alle Bachs, Bruhns, V. Lübeck, usw. Auch lohnt es sich, manche romantischen Stücke darzustellen, aber nicht in dem Umfang wie in der Nikolaikirche. Stücken von C. Franck oder Max Reger kann diese Orgel nicht genügen, es sei denn, man hat als Spieler einen Registranten.

Die Register sind aus der Barockzeit neu eingesetzt oder restauriert worden, so finden sich im Gegensatz zur romantischen Orgel viele Prinzipale und Flöten, keine Streicher und nur wenige Zungen. Auf allen Manualen befinden sich nur insgesamt 5 Zungen. Da bekommt der Choral "O dass ich tausend Zungen hätte" eine ganz andere Bedeutung ;-). Für Barockorgeln ist das aber ganz typisch.

Nur für das Pedal gibt es im Verhältnis mehr Zungen: 2* Trompete '8 und '4 und 2* Posaune '32 und '16.

Beim Spielen wollte ich gerne eine große Klangfülle ausnutzen und spielte das große d-Dur Präludium von J. S. Bach. Das hat echt geschockt, da vor allem in den Schlusstakten noch mal der Bass so richtig zur Geltung kommt und so hats in der Kirche auch mächtig geballert. Mir blieb das Glück beschieden, dass keine Fenster zu Bruch gingen ;-). Das zweite Stück war ein kleines Choralvorspiel von Max Reger "Eins ist Not ach Herr dies eine". Es ist so komponiert, dass man es mit zwei verschiedenen Registrierungen spielen kann. So spielte ich die Phrasen abwechselnd auf dem Hauptwerk und auf dem Rückpositiv. Für mich war es klasse, meine Stücke auf dieser großen Orgel zu hören.

Nach dem einige aus der Gruppe die Orgel ausprobiert hatten, gingen wir zu der Kuhn Orgel aus dem Jahr 2010 mit nur 2 Manualen und natürlich ein pneumatisches Spielwerk. Wie gesagt, sie ähnelt sehr den französischen Orgeln von Cavalle-Coll, aber sie hat ihre neudeutschen Abstriche bekommen. Es ist ein recht kleines Positiv, welches trotz seiner geringen Größe nicht weniger Krach macht. Denn es sind nur 28 Register, wo wo fast gar keine Prinzipale vorhanden sind. Aber jede Menge Zungen und Flöten. Anbei ist eine Setzeranlage mit 4 *1000 Kombinationen und vier Koppeln. Da es eine Orgel ist, welche sehr romantisch geprägt ist, lassen sich in diesem Fall überhaupt keine barocken Stücke darauf spielen.

Zum Abschluss unseres Tages spielte ich ein anderes Stück von Rheinberger, was sich für meine Ohren auf dieser Orgel ungewöhnlich anhörte. Rheinberger hatte aber seine Werke für solche Orgeln geschrieben.

Ich fand den Tag total super und möchte das auch gerne wiederholen. Nächstes Jahr geht es weiter.
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